Unterricht mit Pluspunkt Deutsch

Gedicht von Karl Kirsch 
Unterrichtsvorbereitung mit Pluspunkt Deutsch –
Lehrwerk für Erwachsene in Integrationskursen

Nach dem Yoga frisch und munter
zieht ein Blick ins Buch mich runter:
Vorgekaute Übungshappen
muss ich in die Schüler pappen.

Pawlow: Reiz und Reaktion,
Star der Pluspunktredaktion.
Denn zum Denken viel zu schlicht
sind Migranten. Sollns auch nicht.

Brav sein! Spuren! Nicht viel fragen!
Wiederkäun! Nichts Eignes sagen!
Ich schleich durch den Vormittag,
finde nichts, was ich noch mag.

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Erfahrungsbericht: Wie hat sich die Situation in den Kursen verändert?

Elke D., eine freie Dozentin berichtet

Seit 2007 unterrichte ich in Integrationskursen bei unterschiedlichen Trägern in und um Berlin. Jeder Kurs hat eine eigene Dynamik, die durch die Teilnehmer*innen (TN) und die Zusammensetzung ausgelöst wird. Träger sprechen unterschiedliche Zielgruppen an, in Bezug auf die Herkunftsländer, auf das Niveau, bzw. das Lernverhalten. Im folgenden halte ich die Tendenzen, die ich erlebt habe, fest. „Erfahrungsbericht: Wie hat sich die Situation in den Kursen verändert?“ weiterlesen

Redebeitrag einer Kollegin

» Ich unterrichte wöchentlich 25 bis 30 (Schul-)Stunden in Alphabetisierungskursen für 2 freie Träger in Moabit und Neukölln. An den Kursen nehmen bis zu 14 Menschen teil. Der Unterricht findet fünf Mal wöchentlich statt und dauert drei bis vier Zeitstunden.
Die TeilnehmerInnen sind überwiegend Flüchtlinge aus Syrien. Einige von ihnen (vor allem die Frauen und die Kurdisch stämmigen) haben kaum Schulerfahrung. Allen ist die lateinische Schriftsprache unbekannt. Nach maximal 1200 Unterrichtstunden sollen sie in der Lage sein, sich mündlich und schriftlich im deutschen Alltag einigermaßen sicher zu verständigen und vor allem ausreichende Sprachkenntnisse für den Arbeitsmarkt zu
haben. Ist das machbar? – Ich habe einen Selbstversuch gemacht und einen Arabisch-Basis-Kurs besucht.
Obwohl Arabisch nicht meine erste Fremdsprache ist und ich es gewohnt bin, zu lernen und in abstrakten Begriffen zu denken, war ich nach 2 Kursstunden ziemlich erschöpft und nicht weiter aufnahmefähig.
Nach 3 Monaten konnte ich sagen:
Ich heiße Gabi.
Ich komme aus Deutschland.
Ich wohne in Berlin.
Wie geht es Dir?
Walhamdullilah, alles in Ordnung.
Wo ist dein Bruder?
Der Garten ist schön.
Ich möchte Falafel.
Danke.
– Meine Aussprache scheint sehr schlecht zu sein. Arabisch schreiben und lesen kann ich nach wie vor nicht, was mich nicht wundert. Laut Aussage eines Kollegen, der Alphabetisierungskurse für erwachsene deutsche Muttersprachler leitet, dauert es ca. fünf Jahre, bis die Teilnehmer einigermaßen mit der deutschen Schriftsprache vertraut sind.
In meinen Kursen beobachte ich, dass die TeilnehmerInnen am schnellsten Fortschritte machen, deren Lebensumstände einigermaßen gesichert sind, die eine Wohnung gefunden haben und die sich keine Sorgen um Familienmitglieder machen müssen, die noch in Syrien, in der Türkei oder an Grenzzäunen feststecken. Am erfolgreichsten sind die wenigen, die regelmäßige private oder berufliche Kontakte zu Deutschen haben. «