Redebeitrag einer Kollegin

» Wir arbeiten in sogenannten Integrationskursen, und der Name legt nahe, dass unseren Teilnehmenden geholfen werden soll, durch das Erlernen der Sprache an unserer Gesellschaft teilhaben zu können. Was wir stattdessen vorfinden, sind oftmals soziale Dramen, denen wir hilflos gegenüber stehen. Teilnehmende erzählen uns, dass sie keine bezahlbare Wohnung finden, weil auf dem Berliner Wohnungsmarkt ein rumänischer oder bulgarischer Pass anscheinend schlimmer als ein Schufa-Eintrag ist. Also bezahlen sie unfassbare Mieten für kaum zumutbare Wohnungen, inklusive vierstelligen Provisionen. Teilnehmende berichten regelmäßig von nicht erstellten Arbeitsverträgen, absurd niedrigen Löhnen, nicht gezahlten Löhnen und nicht vorhandenem Arbeitsschutz. Aber niemand, nicht mal die Sozialberatungsstellen scheinen sich sonderlich dafür zu interessieren.
Wenn dann Menschen, die kleine Kinder zu Hause haben, 40 Stunden die Woche arbeiten und und 20 Stunden die Woche den Deutschkurs besuchen, vom Jobcenter Verpflichtungen zu Maßnahmen und Coachings bekommen, dann fragen wir uns, ob die Angestellten im Jobcenter wissen, wieviel Stunden ein Tag und wieviel Tage eine Woche hat.
Durch Listen und ständige Sanktionsandrohung vom Jobcenter verkommt unsere Arbeit zu einer reinen Disziplinierungsmaßnahme. Gleichzeitig lastet die ganze Bringschuld der sogenannten Integration auf den Schultern der Migranten und Migrantinnen, während diese Gesellschaft nur die eigenen Vorteile aus deren Elend zieht.
Es gibt erwünschte und unerwünschte Migration, und je weiter unten eine Person in dieser Hierarchie steht, desto erbarmungsloser wird sie diskriminiert, ausgebeutet und abgezockt. Und wenn am Ende die verbrauchten Menschen von der Maschinerie wieder ausgespuckt werden, steht unter anderem das BAMF bereit, um sie z.B. mit der sogenannten  “Rückkehrförderung” in die Peripherie Europas oder darüber hinaus in das Elend zurückzuverfrachten, aus dem sie so mühevoll entkommen sind.
Das ist auch das schmutzige Geschäft des Herrn de Maiziere, und viele Lehrkräfte haben es satt, mitansehen zu müssen, wie unsere Teilnehmenden behandelt werden; vom BAMF, vom Jobcenter, und von dieser Gesellschaft. «