Stellungnahme einer Kollegin: Deutsche Integrationsverweigerer

Wenn Herr Scheuer von der CSU sich über „fußballspielende, ministrierende Senegalesen“ beschwert und damit zeigt, dass eine vermeintliche „Integration“ auch auf der deutschen Seite nicht jedermanns Sache ist, dann ist es verlogen, so zu tun, als sei das ein  Ausrutscher oder eine Einzelmeinung. Viel eher scheint diese deutsche  Integrationsverweigerung durch alle Ebenen hindurch Programm. Hätte wirklich irgendwer, der diese Entscheidungen zu treffen hat, ein Interesse an der sogenannten „Integration“ der Migrant*innen, dann sähe Vieles anders aus. Die Teilnehmer*innen in Integrationskursen müssten nicht permanent von einem Amt zum Anderen rennen, um Formulare auszufüllen, die sie nicht verstehen können, und um von Sacharbeiter*innen unter Generalverdacht gestellt zu werden. Sie würden in Wohnungen wohnen wie wir, nicht in Heimen und Einrichtungen am Rande der Stadt oder im überteuerten Ghetto. Sie würden richtige Ausbildungen haben wie wir, und nicht gezwungen sein dort zu arbeiten, wo Lohnprellerei, Ausbeutung und mangelnder Arbeitsschutz an der Tagesordnung sind. Ihr Leben hier wäre kein kafkaesquer Alptraum, in dem sie sich kaputtschuften müssen, weil sie für alles immer nochmal draufzahlen.

Aber auch die Situation der Lehrkräfte wäre anders, von der Ausbildung, die immer noch Mangelware ist, über die Bezahlung, die immer noch weit unter dem liegt, was der deutsche Staat regulären Lehrkräften für die gleiche Tätigkeit bezahlt, bis hin zur sozialen  Absicherung, die für uns reine Glückssache ist, je nachdem, wie der jeweilige Träger gerade Lust hat.

Ein Integrationsgesetz, das in ein eh schon überfordertes Ausbildungssystem doppelt und dreifach so viele Leute zwingt, und das gleichzeitig eine derartige Politik des Mangels durchsetzt, kann nicht das Versagen der Integration in die Schuhe unserer Teilnehmenden schieben. Und eine Regierung, die dieses Gesetz verabschiedet hat, kann sich nicht ernsthaft von den Aussagen von Herrn Scheuer distanzieren, denn ihre Politik spricht die gleiche Sprache.

Wir Lehrkräfte sehen, wie sehr sich unsere Teilnahmenden abmühen, um es den Behörden, den Chefs und auch uns Alles recht zu machen. Und wir sehen auch, wie ihnen für ihre Bemühungen oftmals von großen Teilen der deutschen Bevölkerung und ihrer Regierung die Tür vor der Nase zugeknallt wird. Wenn sich hier irgendwer der sich so schimpfenden „Integration“ verweigert, dann sind das bestimmt nicht die Migrant*innen, sondern diese Deutschen.